Meine virtuellen Modelle

Seit 1999 befasse ich mich mit dem Bau von virtuellen Modellen für Simulatoren. Schon Ende der 1980er Jahre hatte ich angefangen, Grafiken von Straßenbahnen am Computer anzufertigen. Ende der 1990er Jahre hatte ich die Möglichkeit, dabei die dritte Dimension einzubinden und nicht nur das, ich konnte meine Modelle auf den virtuellen Eisenbahnanlagen dann auch richtig fahren.

Die virtuelle Eisenbahnplatte hat durchaus ihre Vorteile. Bei der Menge der verwendeten Modelle beschränkt kein finanzielles Budget, ich kann einen Wagen beliebig oft auf das Gleis setzen und Platzprobleme  spielen in der  virtuellen 3D-Welt auch keine Rolle.

Mein Einstieg in die virtuelle Bahnwelt und die erste CD mit Modellen von mir.
Mein Einstieg in die virtuelle Bahnwelt: „Eisenbahn.exe-European class“ mit Handbuch und die erste eigene CD zum Thema „Nahverkehr“.

Den Anfang machte 1999 „Eisenbahn.exe-European class“ (EEEC) von Software Untergrund.  Anfangs baute ich Eisenbahnanlagen mit vorhandenen Modellen. Schnell aber wuchs der Wunsch, eigene Modelle zu kreieren und so kam ich in den Besitz des „Konstruktors“. So hiess das Tool zum Editieren der 3D-Modelle.

In der folgenden Zeit entstanden unzählige Modelle für das Programm. Bald schon hatte ich mehr Spaß mit dem Bau der Modelle, als mit dem Fahren auf meiner virtuellen Eisenbahnwelt. Ich hatte mit dem virtuellen Modellbau ein neues Hobby gefunden und entwickelte mich und die Modelle mit der Zeit immer weiter.

„Eisenbahn.exe“

Ein frühes Modell für EEEC war im Jahr 2000 unter anderem der Hamburger Straßenbahn-Gelenkzug "VG" für Eisenbahn.exe. Auf Texturen wird noch gänzlich verzichtet.
Ein frühes Modell für EEEC war im Jahr 2000 unter anderem der Hamburger Straßenbahn-Gelenkzug „VG“ für Eisenbahn.exe. Auf Texturen wird dabei noch gänzlich verzichtet.

Die ersten Modelle für „EEEC“ waren Polygon-Gitter ohne Texturen oder Funktionen. Beim Bau der Modelle wurde eine möglichst einfache Konstruktion gewählt, die wenig Rechenpower brauchte. So präsentierten sich die ersten Modell äußerst simpel.
Das Tool mit dem die Modelle erstellt wurden, hiess „Konstruktor“ und war ein einfacher 3D-Editor für virtuelle Modelle in „Eisenbahn.exe.“ Ein Schienenmodell bestand in der Regel aus einem bis drei Einzelmodellen.

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U-Bahnzug DT1 für EEEC
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T-Wagen der Hamburger U-Bahn. Selbst die Zierleisten wurden mangels Texturen ausmodelliert.

2001 veröffentlichte Software Untergrund das Nachfolgeprogramm

„Eisenbahn.exe Professionell“ (EEP) .

Für „EEP“ konnten erstmals Texturen verwendet werden. Die Modelle erlaubten Shading und die Möglichkeit bewegliche Achsen zu integrieren. Dadurch konnten erstmals einfache Funktionen eingebunden werden. Das EEP-Konstruktionstool wurde als „Nostruktor“ bezeichnet. Auch für diese Serie entstanden bis 2003 zahlreiche Modelle, mit dem Themenschwerpunkt Nahverkehr.

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In EEP verwendeten die Modelle bereits Texturen. Neu waren auch bewegliche Achsen, so konnte man bei dem Straßenbahnzug bereits die Türen öffnen und schließen.
Verschiedene Generationen der Hamburger U-Bahn in "EEP". Die beige-roten Altbauzüge gehören zu späteren Entwicklungen und heben sich optisch von den frühen Werken ab, was zum Beispiel an den Scharfenberg-Kupplungen deutlich wird.
Verschiedene Generationen der Hamburger U-Bahn in „EEP“. Die beige-roten Altbauzüge gehören zu späteren Entwicklungen und heben sich optisch von den frühen Werken ab, was an der Auswahl der Farben, aber auch zum Beispiel an den Scharfenberg-Kupplungen deutlich wird.

Beonders spannend finde ich virtuellen Modellbau, wenn das Vorbild nicht mehr existiert. So dienten als Vorlage für den S-Bahnzug der Berliner Bauart „Bernau“ nur wenige Zeichnungen und einige Fotos in schwarz-weiss.

Von der Berliner S-Bahnbaureihe "Bernau" ist kein Zug im Originalzustand erhalten geblieben.
Von der Berliner S-Bahnbaureihe „Bernau“ ist kein Zug im Originalzustand erhalten geblieben. Umso größer ist die Motivation, wenn das Modell dann im Simulator erstmals seine Runden dreht.

„Trainz Railroad-Simulator“

2004 lernte ich Karsten Cornelsen kennen. Er begeisterte mich für den „Trainz-Railroad-Simulator 2004“. Gemeinsam entwickelten wir das AddOn „Hamburger Straßenbahn Typ V6E“ für den „Trainz-Railroad-Simulator“ (TRS 2004).

Für das Projekt erlernte ich damals „Gmax“, eine abgespeckte Variante von „3DS Max“. Die Texturen wurden größer und umfänglicher, Chrom- und Fensterglanz waren nun möglich. Dass Polygon-Gitter der Modelle durfte aufwändiger modelliert werden und erstmals konnten Original-Geräusche eingebunden werden.

In Trainz konnten viele Funktionen animiert werden.
Blick in den virtuellen Betriebshof Lokstedt. In Trainz konnten viele Funktionen animiert werden. Originalgeräusche und viele Funktionen sollten für ein möglichst realistisches Ambiente sorgen.
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Fahrerplatz im virtuellen Triebwagen. Der Großteil der Schalter konnte bedient werden und erlaubte vorbildliches Fahren.

Da fast alle Schalter bedienbar waren, bestand ein Triebwagen bereits aus 105 Einzelmodellen, die durch das Script von Karsten mit Leben erfüllt wurden. Unter anderem konnte der Spieler blinken, klingeln, die Türen bedienen, beschildern und viele weitere Funktionen mehr bedienen. Beim Anfahren musste man Acht geben, weil die Räder auf nassen Schienen durchdrehen konnten. Dafür musste man dann per Sandhebel etwas Sand auf die Schienen geben. Auch durfte man beim Anfahren nicht zuviel Strom geben, weil sonst die Hauptsicherungen auslösten.

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Hamburger Straßenbahn in Trainz 2004. Die V6E- und V7E-Triebwagen wurden veröffentlicht. Der Beiwagen hingegen nicht. Er fuhr nur lokal auf dem eigenen Rechner herum und das leider nie einwandfrei.

2006 kam die CD „Hamburger Straßenbahn Typ V6E“ in den Handel. Neben den Straßenbahnwagen erhielten die User eine kleine Demo-Strecke und viel Zubehör. Da Trainz einen einfach zu bedienenden Geländeeditor hat, konnte man sich eigene Strecken bauen.

Ein V6E- und ein V7E-Triebwagen im direkten Vergleich. Auffälligster ist die unterschiedliche Fensteranordnung.
Ein V6E- und ein V7E-Triebwagen im direkten Vergleich. Auffällig ist die unterschiedliche Fensteranordnung.

Wenig später veröffentlichte ich noch die Nachfolgeserie V7E für Trainz. Ein passender Beiwagen wurde auch noch gebaut, doch nie veröffentlicht. Grund waren permanente Entgleisungen im Betrieb mit mehreren Linien.

Möglich war hingegen der Einsatz eines Anhängers für den Streudienst im Winter. Der kleine Salzwagen konnte im virtuellen Winter hinter den Triebwagen gehängt werden.

FFür den Streudienst im Winter setzte man bei der Straßenbahn sogenannte Salzwagen ein. Das Original wurde in den 1920er Jahren gebaut und bis in die 1970er Jahre eingesetzt.
Für den Streudienst im Winter setzte man bei der Straßenbahn sogenannte Salzwagen ein. Das Original wurde in den 1920er Jahren gebaut und bis in die 1970er Jahre eingesetzt.

„OMSI“

War der Themenschwerpunkt bis dahin der Schienenverkehr, wechselte ich 2011 zu den Omnibus-Simulatoren OMSI 1 und OMSI2 von MR-Software. Hierfür entstand das OMSI-AddOn „Stadtbus O305“.

Schon lange hatte ich den Wunsch das 3D-Konstruktionsprogramm „Blender“ zu erlernen. 2011 bot sich die Gelegenheit.  Mein Erstling war in Blender der „Stadtbus O305“, den ich später für den Omnibus-Simulator „OMSI“ veröffentlichte. Bei der Entwicklung unterstützten mich die OMSI-Entwickler wesentlich und so kam mein erstes virtuelles Bus-Modell schnell ins Rollen.

Gittermodell des Stadtbus O305.
Gittermodell des Stadtbus O305 in Blender.
Das komplette Modell, wie es im Simulator aussieht.
Das komplette Modell, wie es im Simulator aussieht.

Erstmals konnte ich bei diesen Modellen mit Bump-Mapping arbeiten. Das erlaubt kleine Details oder Strukturen mit Tiefenwirkung in Texturen einzubinden, ohne sie ausmodellieren zu müssen.

Für OMSI wurde aus dem "Stadtbus O305" auch eine Berliner Variante abgeleitet. Hier parkt der Stadtbus im virtuellen Spandau vor den großen, gelben Doppelstockbussen von MR-Software.
Für OMSI wurde aus dem „Stadtbus O305“ auch eine Berliner Variante abgeleitet. Hier parkt der Stadtbus im virtuellen Spandau vor den großen, gelben Doppelstockbussen von MR-Software.

„OMSI 2“

Projekt in Arbeit - Der Stadtbus O305G für OMSI 2
Vor kurzem veröffentlicht – Der Stadtbus O305G für OMSI 2

Mit dem zweiten Teil von OMSI sind Gelenkbusse mit animiertem Faltenbalg möglich geworden. Damit konnte ich auch die Gelenkvariante des Stadtbusses umsetzen.

„Virtuelle Modelle – Fahren dürfen und nichts abstauben müssen“

Die Modelle werden mit jedem neuen Simulator-Programm aufwändiger und komplexer. Aufgrund der rasanten, technischen Entwicklung von Hard- und Software fängt man im Prinzip alle paar Jahre immer wieder bei Null an.

Trotzdem: Virtueller Modellbau ist und bleibt ein Hobby, bei dem man herrlich entspannen und abschalten kann. Wenn ein Modell am Rechner langsam Form annimmt und dann zum ersten Mal im Simulator zum Leben erwacht, ist das ein erhebenes Gefühl.

Ein besonderer Reiz liegt für mich darin, Modelle aus vergangenen Zeiten zu bauen, die in der Realität nicht mehr existieren.

Noch Baustelle: Hamburger U-Bahnzug DT2
Noch Baustelle: Hamburger U-Bahnzug DT2

Zwar kann ich meine Modelle nicht anfassen, wenn sie fertig sind. Dafür aber kann ich mich am PC selbst hinter Kurbel oder Lenkrad setzen und mit den Modellen losfahren.
Einen Vorteil haben virtuelle Modelle außerdem: Man muss sie nicht regelmäßig aus der Vitrine holen und abstauben. 😉

Projekt in Arbeit: Neueste Entwicklung ist eine Straßenbahn aus dem Hamburg des Jahres 1978.